"Slow"
Eröffnung: 7.9.2000, 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 8.9.2000 bis 21.10.2000



Christian Hutzinger (geb. 1966) arbeitet in den Bereichen der Malerei, der Collage und mit installativen Eingriffen vor Ort. Diese drei Elemente ergänzen einander, sind thematisch verwoben und doch als jeweils eigenständige Werkkomplexe zu sehen. Sie transportieren Aussagen über die Wirkung von Erinnerungszusammenhängen, den Emotionsgehalt von Images, von Formen und Farben.

In seiner abstrakten Malerei hat Hutzinger zu einer streng formalen Bildsprache gefunden, die ihm jedoch als Vehikel zur Vermittlung ganz individueller Erfahrungen dient. Eine Anregung war für ihn der Scherenschnitt, so ist sein frühes Werk auch durch rigorose Formen und Ornamenthaftigkeit gekennzeichnet. In der weiteren Entwicklung wird diese Strenge aufgebrochen, die rechtwinkeligen Strukturen zerlegt, eckige Formen lösen sich auf und werden zunehmend weicher. So entstehen Bauteile, die in Hutzingers Malerei immer wieder auftauchen und die gewissermaßen stilprägend für seine Arbeit sind: “Kapseln“, die leicht gegeneinander verschoben im Bild hängen und sich stets in leichtem Schwebezustand befinden. Diese Zellen berühren einander nie und der Eindruck einer gewissen Schwerelosigkeit wird in einigen seiner neuesten Arbeiten durch das Einbringen vertikaler Elemente in den Bildraum noch verstärkt. Hutzinger nennt diese Kapseln, die in den letzen Jahren nur geringfügige Veränderungen in der Form durchlaufen haben und nun größere Dimensionen annehmen, „Behältnisse“ für Geschichten. Die Art und Weise der Anordnung dieser körperlosen, amorphen Formen im perspektivisch nicht definierten Bildraum, läßt auch auf die Auffassung des Bildhintergrundes als Behälter schließen, wobei jedoch die Zweidimensionalität der Malfläche durch die klare Begrenzung des Bildrandes betont wird.

Die Collagen als eigenständige Werke werden parallel zur Malerei gezeigt. Aus der Vorstellung heraus, daß „in den Bildern etwas existiert“ - so Hutzinger - entstehen auch manche Collagen. Sie sind als transferiertes Detail, sozusagen als ZOOM eines Details der Malerei - im übertragenen Sinn - zu sehen. Als Material für die Collagen dient unter anderen auch die Fotografie: Gefundene Werkstoffe und Objekte werden neu zusammengesetzt und fotografiert, im Lauf der Zeit wieder verändert, aus anderen Blickwinkeln aufgenommen und erneut eingearbeitet. Das Einbinden verschiedener Texturen auf einem meist flächig strukturierten Hintergrund und das Anfüllen jener amorphen Formen (Kapseln) mit ausgeschnittenen Motiven in den Collagen, unterstützt die Lesbarkeit seiner Gemälde, denn hier eröffnen sich konkretere Erzählzusammenhänge.

In den In-Situ-Arbeiten findet wiederum eine atmosphärische Verdichtung dessen statt, was in den Acrylbildern nur abstrakt angedeutet bleiben kann: Gerne bringt Hutzinger Gegenstände von privater Symbolhaftigkeit, wie Kinderzeichnungen, Topfpflanzen, getrocknete Blumen etc. , mit ein oder beläßt Gebrauchsgegenstände vor Ort. Bilder werden nicht streng an der Wand plaziert, wichtig ist der Bezug zum Raum. Dahinter steht manchmal die Idee, das Image des verlassenen Schaufensters. Wandmalereien und Bilder werden nicht hart mit den weißen Wänden der Galerie konfrontiert, sondern der Raum wird in einer Gesamtkonzeption mit Farbflächen und dem Wechselspiel von Konzentration und Streuung strukturiert.

Essentiell in Hutzingers Werk, bleibt das Element der Bewegung, der Weiterentwicklung. Der Eindruck des Vegetativen wird evident: Es entsteht „eine seltsame Welt, die vor sich hinwächst und wieder zerfällt.“